So funktioniert das Darknet

Um das Darknet spinnen sich zahllose Mythen und Legenden. Der Wilde Westen der digitalen Welt, ein gesetzloser Raum, in dem sich Drogenhändler und Waffenschieber gute Nacht sagen. Die virtuelle Heimat chinesischer Hacker und russischer Auftragskiller. Das ist natürlich völlig übertrieben, was aber nicht heißen soll, dass das Darknet nicht tatsächlich der bevorzugte Aufenthaltsort dubioser Gestalten ist, die dort fragwürdige Angebote offerieren. Aber zunächst einmal zur Definition. Das World Wide Web, gerne als www. abgekürzt, ist enorm groß. Der Teil, der mit herkömmlichen Suchmaschinen wie Google nicht gefunden werden kann, wird als Deep Web bezeichnet. Und dann gibt es da noch einen technisch verschlüsselten Bereich des Internets, den Sie nur mit speziellen Hilfsmitteln erreichen können. Das ist das berüchtigte Darknet.

Welche Software brauchen Sie?

Der Weg ins Darknet führt über den Tor-Browser, den Sie sich kostenlos herunterladen können. Am besten holen Sie sich die erforderliche Software direkt von der Website des Torprojekts (Tor-Bundle). Die Software ist für Windows, MacOS und Linux verfügbar. Und keine Angst, der Download ist weder gefährlich noch besonders kompliziert. Der Ablauf ist der gleiche, wie zum Beispiel beim Download von Google Chrom. Sie wählen einfach das für Ihr Betriebssystem richtige „Tor-Browser-Bundle“ aus und starten den Download. Danach öffnet sich ein Fenster und Sie folgen, wie sonst auch, den Anweisungen des Systems. Nachdem Sie die Software heruntergeladen haben, erscheint auf Ihrem Desktop eine neue Verknüpfung, die „Start Tor Browser“ heißt. Nach einem Doppelklick öffnet sich der Tor-Browser genauso wie jeder andere auch. Sie können ihn auch genauso bedienen, also eine Internetadresse eingeben oder eine Google-Suche starten. Sie werden allerdings sehr schnell feststellen, dass Sie deutlich langsamer unterwegs sind, als gewöhnlich. Das liegt daran, dass Tor ein Anonymisierungsdienst ist, der darauf zielt, die Kommunikationsverbindung so komplex zu gestalten, dass sie nicht zum Nutzer zurückverfolgt werden kann. Einfach gesagt, werden Sie nicht mehr direkt über den nächsten Webserver ins Internet geleitet, sondern beispielsweise von Deutschland über die USA, Taiwan und Rumänien geroutet, bis Sie schließlich ins Netz gelangen. Das kostet natürlich Zeit, macht es aber für Dritte, insbesondere staatliche Überwachungsorgane und Verfolgungsbehörden, schwierig, mit etwas Glück sogar unmöglich, den Weg zu Ihnen zurückzuverfolgen. Dass diese Form der Kommunikation auch für Kriminelle attraktiv ist, versteht sich von selbst. Für diese Klientel wurde Tor aber nicht geschaffen, sie macht auch nur einen winzigen Kreis der Nutzer aus. Tor dient vor allem Menschen, die unter einem Regime leben, für das Informations- und Meinungsfreiheit keine Grundrechte sind, als Instrument des Widerstands. Das von Justizminister Heiko Maas initiierte „Netzdurchsetzungsgesetz“ macht Tor auch in Deutschland immer beliebter. Wenn Sie die Software auf dem Rechner haben, sind Sie also nicht automatisch eine zwielichtige Gestalt, sondern viel eher ein Verfechter essentieller demokratischer Werte.

Und wie kommen Sie jetzt ins Darknet?

Statt politische Oppositionsarbeit zu leisten, können Sie Tor aber auch einfach für einen Ausflug ins Darknet nutzen. Dafür brauchen Sie eine Einstiegsadresse. Eine Darknet-Adresse erkennen Sie an der Endung .onion. Darknet-Adressen sind sehr viel kurzlebiger als die meisten regulären Netzadressen. Ende 2017 wurde sogar Grams, die beliebteste Suchmaschine im Darknet, abgeschaltet. Grams wurde allerdings nicht, wie die ebenfalls sehr populären Marktplätze AlphaBay und Hansa-Market, von verdeckten Ermittlern unterwandert und geschlossen, sondern vom Betreiber selbst stillgelegt, weil er nicht mehr genug damit verdiente.

Als erster Anlaufpunkt für den Einstieg ins Darknet eignet sich die Seite „The Hidden Wiki“ (Hidden Wiki), die eine Zusammenstellung höchst unterschiedlicher Darknet-Adressen liefert. Die Seite selbst können Sie auch mit einem Standard-Browser erreichen, die dort gelisteten Links lassen sich allerdings nur mit Hilfe von Tor öffnen. Wundern Sie sich bitte nicht, wenn viele der verlinkten Seiten scheinbar inaktiv sind. Zum einen ist Tor, wie schon erklärt, zwangsläufig sehr langsam, zum anderen sind Onion-Seiten meist nicht durchgehend online. Fast immer zu erreichen ist allerdings die Suchmaschine Torch (http://xmh57jrzrnw6insl.onion/). Hier können Sie sich einen Überblick über das Angebot im Darknet verschaffen. Geben Sie als Suchbegriff einfach einmal „Fake Passport“ ein. Gestern waren noch finnische Personalausweise im Angebot, morgen können Sie sich vielleicht einen Discount auf brasilianische Reisepässe sichern. Das Darknet ist schnelllebig und kann das eigene Weltbild gehörig auf den Kopf stellen. Die Ergebnisse für den Suchbegriff „Cannabis Germany“ oder „Drugs“ plus Ihre Heimatstadt könnten Sie an den Konsumgewohnheiten Ihrer Nachbarn Zweifeln lassen.

Wie gefährlich ist das Surfen im Darknet?

In Deutschland ist es nicht illegal, sich ins Darknet zu begeben. Grundsätzlich ist es auch nicht verboten, sich über illegale Angebote zu informieren. Um kinderpornografische Inhalte sollten Sie allerdings auch aus rechtlichen Gründen einen großen Bogen machen.

Und wie ist es um die technische Sicherheit bestellt? Manche Berichte über das Darknet machen einen glauben, dass dort hinter jedem Klick ein Super-Wurm oder ein Monster-Trojaner lauert. Nicht zuletzt geschieht dies im Kontext von Seiten, die Virenschutzprogramme bewerben oder direkt verkaufen. Die Darstellung ist deshalb arg übertrieben. Wenn Sie die ersten Gehversuche im Darknet ganz unbeschwert unternehmen wollen, dann nutzen Sie einfach einen alten, ausgemusterten Computer, den Sie nicht mehr brauchen. Sofern Sie keinen Eee PC aus den Nuller Jahren mehr im Schrank versteckt haben und deshalb mit Ihrem Lieblingsrechner ins Darknet wollen, sollten Sie allerdings einige Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Zum einen sollten Sie tatsächlich ein gutes Virenschutzprogramm installiert haben, dass Sie vor Ihrem ersten Trip ins Darknet besser nochmals updaten. Darüber hinaus können Sie sich schützen, indem Sie ein Profil nutzen, dass über keine Administratorenrechte verfügt. Auf vielen Rechnern ist bereits ein entsprechender Gast-Account eingerichtet, andernfalls sollten Sie einen anlegen. Wie das geht, können Sie ganz einfach googeln.

Den besten Schutz im Darknet bietet aber der gesunde Menschenverstand. Wenn Sie trotz aller Risiken etwas kaufen wollen, dann zahlen Sie, wie dort ohnehin üblich, mit Bitcoins. Gelegentlich wird auch die Bezahlung per Kreditkarte angeboten. Das vermeintliche Super-Schnäppchen soll Ihnen dann aber in 19 von 20 Fällen nur sensible Daten entlocken. Wenn Sie der Versuchung nicht widerstehen können, dann schaffen Sie sich am besten eine Prepaid-Kreditkarte an und laden diese nur mit einem Betrag auf, den Sie bei Totalverlust als Lehrgeld abschreiben können, ohne dass es Sie wirklich schmerzt.