Klartext: Einen Eiertanz aufführen

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Der früher tatsächlich praktizierte Eiertanz war ein Tanz, bei dem die Tänzer mit verbundenen Augen um auf dem Boden liegende Eier herumtanzten, möglichst ohne diese dabei zu zerbrechen. Dieser Tanz, der ursprünglich möglicherweise als artistische Darbietung zum Repertoire fahrender Schausteller gehörte, wird merfach in Goethes Roman „Willhelm Meisters Lehrjahre“ beschrieben. „… sie (Mignon) verweigerte, den Eiertanz zu tanzen…“.

Die Entstehung der umgangssprachlichen Redewendung einen wahren Eiertanz aufführen im Sinne von „sich winden, um etwas herumdrücken“ ist wahrscheinlich auf politische Zusammenhänge zurückzuführen. Als Karikatur ist Bismarck 1883 unter dem Titel „Politischer Eiertanz“ in der „Frankfurter Latern“ mit niedergeschlagenen Augen tanzend um Eier mit Aufschriften wie „Gesetz“ und „Verfassung“ zu sehen. Daraus entstand die heute gebräuchliche Verwendung des Wortes Eiertanz, nämlich sich so geschickt zwischen zwei gegensätzlichen Dingen oder Personen zu bewegen, dass man keine der beiden verletzt oder beleidigt.

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